Stevia Ratgeber Online Version

Vorwort

Stevia wird hierzulande von gesundheitsbewussten Menschen schon einige Jahre zum Süßen von Speisen und Getränken genutzt, so wie in vielen anderen außereuropäischen Ländern auch. Zugelassen waren die süßen Blätter und flüssigen Extrakte der Pflanze Stevia rebaudiana - bei indigenen Völkern Südamerikas seit Jahrhunderten bekannt - in Europa bislang allerdings nur als Kosmetikazusatz und nicht für Nahrungsmittel. Begründet wurde dies mit der noch nicht zweifelsfrei nachgewiesenen gesundheitlichen Unbedenklichkeit. Seit Ende 2011 sind nun auch die europäischen Kontrollbehörden davon überzeugt, dass Stevia-Produkte ohne die Gefahr gesundheitlicher Nachteile, wie sie durchaus bei übermäßigem Zuckerkonsum befürchtet werden müssen, zur Süßung geeignet sind.

Dass Süßstoffe zur Normalisierung des Blutzuckerspiegels bei Diabetikern beitragen, für die Zähne gesünder sind, da sie keine Karies auslösen, dass sie beim Abnehmen eine große Hilfe sein und so u. a. auch einen Bluthochdruck positiv beeinflussen können, ist weitgehend bekannt. Weniger bekannt sind jedoch die Erwartungen, die wir Krebsmediziner an kalorienarme Zuckerersatzstoffe haben.

Tatsächlich wissen wir erst seit wenigen Jahren von der Bedeutung des Übergewichts und der Typ-2-Diabetes als Risikofaktoren für Krebs-erkrankungen. Der Wirkmechanismus ist zwar noch nicht gänzlich geklärt, jedoch weisen die Ergebnisse zahlreicher Beobachtungsstudien eindeutig auf Zusammenhänge hin. Während die in den Fettdepots gebildeten und das Zellwachstum stimulierenden Hormone Leptin und

Adiponektin bei adipösen Menschen für die erhöhte Krebsgefährdung verantwortlich gemacht werden, ist es beim Typ-2-Diabetes die Insulinresistenz, die das Krebszellwachstum anregt. Onkologen versprechen sich wesentliche Fortschritte in der Krebsbekämpfung, wenn es gelingt, den derzeitigen Trend zum Übergewicht zu stoppen. Über 50 Prozent der deutschen Bevölkerung sind bereits heute übergewichtig und die Tendenz ist steigend.

Die wichtigsten und langfristig auch Erfolg ver-sprechenden präventiven Maßnahmen sind mehr körperliche und sportliche Aktivität sowie eine disziplinierte Ernährung. Diese können durch Süßmittel natürlich nicht ersetzt werden. Zuckerersatzstoffe wie Stevia sind auch kein Freibrief dafür, fetthaltige Speisen und kalorienreiche Produkten unbesorgter und unkontrollierter konsumieren zu dürfen. Süßmittel sind immer nur eine Ergänzung; jedoch eine sinnvolle Ergänzung zu Sport und gesunder Ernährung. Sie sind gedacht für diejenigen Menschen, die sich kalorienbewusst ernähren, aber auf süße Speisen nicht verzichten wollen.

Der Einsatz von Süßmittel ist umso mehr zu be- grüßen, wenn sie keine gesundheitsschädigenden Nebenwirkungen haben. Wir Onkologen und Präventionsmediziner begrüßen daher sehr die Erklärung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, dass die aus den Blättern der Steviapflanze gewonnenen Stevialglycoside keine die Gesundheit beeinträchtig-enden und insbesondere keine krebserregende Wirkungen haben.

Prof. Dr. med. H. Delbrück
Arzt für Innere Medizin und Hämatologie-Onkologie
Arzt für physikalische und rehabilitative Medizin
Sozialmedizin, Gesundheitsförderung und Prävention

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